Nothing Like the Holidays
Weihnachtliche Familienfilme neigen dazu, ihre Geschichten durch zuckrig-klebrige Harmoniesucht zu verderben; nicht so Alfredo De Villas gelungene Tragikomödie um einen puertoricanischstämmigen Familienclan, der im verschneiten Chicago zum Christfest zusammenkommt. Zwar geht es auch hier ums genretypische Herstellen des Familienfriedens über allerlei Turbulenzen hinweg. Wie jedoch das Milieu und die Figuren gezeichnet werden – vom jüngsten Sprössling Jesse, der mit seinen Irakkriegs-Erinnerungen kämpft, bis zur Mutter Anna, die nach 36 Ehejahren über Scheidung nachdenkt –, all dies ist glaubwürdig. Daran haben nicht zuletzt großartige Darsteller wie Alfred Molina und John Leguizamo Anteil.
Vom Winde verweht
Das größte Melodram, das Hollywood je geschaffen hat, feierte dieses Jahr seinen siebzigsten Geburtstag. Das Jubiläum wird von Warner mit einer weiteren ultimativen Edition gefeiert. Für die Veröffentlichung auf Blu-Ray hat man erneut keine Kosten und Mühen gescheut und das Vierstundenwerk einmal mehr aufwendig restauriert. Doch auch auf der stolzen, fünf Disks zählenden DVD-Edition erstrahlt die tragische Liebesgeschichte zwischen Scarlett und Rhett in prächtigeren Farben, als man es sich hat vorstellen können. Das mehrere Abende füllende Bonusmaterial ist unter anderem um die Dokumentation „1939“ erweitert, die eindrücklich vor Augen führt, wie viele großartige Filme dieses erste Weltkriegsjahr in Hollywood hervorgebracht hat. Wer zu all der Pracht das 52-seitige Hochglanz-Büchlein zum Film sein Eigen nennen will, der muss allerdings doch zur „Ultimate Edition“ auf Blu-Ray zurückgreifen.
Igor
Waren Trickfilme früher noch ein rares Saisonhighlight im Kino, sind sie heute so inflationär, dass einige schon gar nicht mehr die Chance bekommen, auf der großen Leinwand zu reüssieren. Das ist allein schon daher tragisch, weil es meistens die kleineren, feineren Filme trifft, die von Disney- und DreamWorks-Megaproduktionen verdrängt werden. „Igor“ ist so eine originelle Perle im Verborgenen. Erzählt wird die Geschichte eines buckeligen Gesellen, der keine Lust hat, seiner Bestimmung zu folgen, nämlich als „Igor“ Gehilfe eines wahnsinnigen Wissenschaftlers zu werden. Mit witzigen, auf den Punkt gebrachten Pointen, liebevollen Charakteren und einem originellen Zeichenstil avanciert diese Gruselkomödie zu einem Highlight der Saison.
Das Haus der Krokodile
Für eine Kinderserie des deutschen Fernsehens geht es in „Das Haus der Krokodile“ erstaunlich spannend und erfrischend zu. Allenfalls an der kindlichen Gestalt seines Hauptdarstellers Thomas Ohrner erahnt man, dass der Sechsteiler schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Die gerade für kleinere Zuschauer schön gruselige Detektivgeschichte um einen Mord und ein mit Geheimnissen ausgestopftes Krokodil ist zeitlos hochwertige Familienunterhaltung der seltenen Sorte. Die DVD-Edition von ARD-Video enthält dankenswerterweise den kompletten Mehrteiler (180 Minuten), in dem der kleine Victor die dunkle Vergangenheit seiner Familie aufarbeitet. Man kann nun das an einem verregneten Wochenende verschlingen, was seinerzeit im Fernsehen über Wochen hinweg gesendet wurde. Die Gänsehaut-Klaviermusik ist übrigens das „Regentropfen-Prélude“ von Chopin.
jög, Rheinischer Merkur 51/2009, 17.12.2009
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