Alle Anderen Wie das so ist, heute Mitte 30 zu sein, offiziell bürgerlich, realiter völlig überfordert von der Lösung der Gesellschaftpositionierungs- samt sämtlichen anhängenden Verhaltens- wie Geschmacksfragen in einer Kultur, die sich genau über diese und ähnliche Probleme nur noch in die Tasche lügt – wie liebt man da hier und jetzt?
The Changeling & Gran Torino Clint Eastwood, ying & yang, geeint im Wesentlichen: Ein Kino über die, genauer: der Veränderbarkeit der Dinge.
Contact High & Das Vaterspiel Ein Kinotraktat über den vertrakten Weg der Erkenntnis, die man dann mal provisorisch als Wahrheit annehmen kann, der Dialektik halber halt halbiert, dargeboten in wissenschaftlich exakt kontrastierenden Stimmungen: Contact High ist Louis de Funès wie von Kurt Vonnegut ersonnen, Das Vaterspiel Thomas Harlan gebrochen über William T. Vollmann – halt die ganze krasse Komödie des Menschseins in all ihrer einen manchmal konkret kirre machenden Härte.
The Hurt Locker Ein Film, aus dem man lernt, wie man im Gefecht ein vollgeblutetes Magazin wieder kampfklar kriegt, kann nichts anderes als ein Meisterwerk sein – da sich nur die künstlerisch wirklich Entscheidenden dafür interessieren, wie die Welt in all ihren Details funktioniert.
Material Fragmente erst DDR-, bald bundesdeutscher Geschichte, in ihrer groben Gegenwärtigkeit belassen, damit noch einmal etwas sichtbar wird, von... (dedicated to Heiner Müller) // Eine Erinnerung, was sonst. Der Zukunft zugewandt.
Nuit de chien Ein Toben, durchdrungen von den barock-dunklen Gewissheiten Ciorans, der Rage Celines, dem Sarkasmus Aldrichs – darin ein Hohelied an all das, was sich niemals passend machen läßt, wie die Liebe und der Spott, die Sehnsucht und die Schönheit (philosophisch zu verstehen, konkret zu erfahren).
Public Enemies Die Hollywood-Großproduktion als Experimentalfilm / Exzess an Gegenwart über Mythen Rissigkeit erzählen, jetzt. Gewissheiten dann morgen, beim Aufbruch, in der Dämmerung, seiner Stunde.
Ramses & Villalobos Der eine ist sein Nachbar und betreibt einen winzigen Animierschuppen, der andere ein Bekannter und Superstar der elektronischen Musik: zusammen schauen sich Ramses und Villalobos wie ein einziger Versuch des einzigen in der BRD lebenden Filmemachers von Weltklasse, sich über die eigene Kunst wie die eigenen Sehnsüchte wie die eigenen Ängste klar zu werden, radikal ungeschützt, frontal – als Versuche über dieses Land, hier und jetzt.
Sense of Architecture Leben in der Moderne, verkörpert durch kinematographisch vermessene moderne Lebensräume – vom Kindergarten zum Columbarium.
Valkyrie Der Film, den die Konsensquotenknechte hier keinen Einheimischen machen ließen (auch wenn die ideologischen Dunkelgrauzonen des Ganzen bei den Förderern/Zensoren auf breiten Zuspruch stoßen sollten...): Als hätten Jean-Pierre Melville und Grigorij Kozincev gemeinsam eine Ausgabe von Frontline Combat adaptiert, und zwar kongenial.
Sehr BRD-lastig, fraglos, der Rest USA, was man aber bitte nur sehr, sehr bedingt als Ausdruck der Qualität der hiesigen wie der Hollywood’schen Produktionslandschaft lesen darf – vielmehr sollte es einem zu verstehen geben, dass das wirklich Wesentliche aus dem Rest der Welt nur noch in den allerseltensten Fällen hier in die Kinos kommt. Top Ten Stefan Volk |