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Jane Eyre – Die Waise von Lowood

Sie gehört zu den schönsten Schauerromanzen, die die britische Literatur hervorgebracht hat: Charlotte Brontës viktorianische Erzählung um die vom Schicksal gebeutelte, aber aufrechte Waise Jane Eyre, die ihr Herz dem mysteriös-düsteren Lord Rochester schenkt. Eine der besten Filmadaptionen des Klassikers bleibt Robert Stevensons Film von 1944, für den kein Geringerer als Aldous Huxley Brontës Roman in eine stimmige Filmdramaturgie übersetzt hat. Die Hauptrollen werden von der ebenso zarten wie unbeugsamen Joan Fontaine und dem jungen Orson Welles gespielt; die Schwarz-Weiß-Ästhetik erweckt kongenial das von verhängnisvollen Schatten der Vergangenheit heimgesuchte Anwesen Thornfield zum Leben. Die von Alive vertriebene DVD präsentiert den Film in guter Bild- und Tonqualität.

Armored

Aus den deutschen Kinos ist er trotz der prominenten Besetzung (Matt Dillon, Jean Reno, Laurence Fishburne) relativ schnell wieder verschwunden. Sein Verleih hatte kein großes Vertrauen und kaum Werbebudget. Dennoch gehört „Armored“ zu den Perlen des Kinojahres 2010. In kammerspielartiger Inszenierung dramatisiert Regisseur Nimrod Antal einen „perfekten Coup“, der in einer Katastrophe endet: Wegen finanzieller Sorgen lässt sich der Angestellte einer Geldtransportfirma auf den Plan seiner Kollegen ein, mittels eines fingierten Überfalls ans schnelle Geld zu kommen. Doch als ein Augenzeuge beseitigt wird, stellt er sich aus Gewissensgründen gegen seine Partner und verschanzt sich mit dem Geld im Transporter. Eindrucksvoll arbeitet der Thriller den moralischen Konflikt zwischen persönlicher Integrität und Gruppendruck, Gewissen und Vorteilsdenken heraus und ist dabei unglaublich spannend.

#9

Auch ein Animationsfilm mit dem unscheinbaren Namen „#9“ gehört schon jetzt zu den versteckten Highlights des Kinojahres. Vielleicht liegt es am grimmigen Endzeitszenario, vielleicht an der Tatsache, dass hier ein Trickfilm nicht für Kinder gemacht wurde. Tragisch ist es auf jeden Fall, dass sein deutscher Verleih so sträflich mit diesem Meisterwerk umgegangen ist. Nach der Vernichtung der Menschheit durch die eigenen technischen „Errungenschaften“ beherrschen monströse Tötungsmaschinen die Erde. Einzig neun aus Jutestoff und altertümlicher Mechanik bestehende Homunkuli bewahren das Erbe der Menschheit: die Imagination. Geleitet von der Neugier des Neunten im Bunde, nimmt es die Gruppe mit dem von der Wissenschaft selbst geschaffenen Moloch auf. „#9“ ist nicht nur mitreißend und atemberaubend schön animiert, er hält zudem ganz nebenbei und höchst künstlerisch dem menschlichen Forschungswahn den Spiegel vor.

Jubiläumsedition Karel Zeman


Seit den 1950er-Jahren verbindet der tschechische Trickfilmpionier Karel Zeman Realfilm- und Animationsfilm-Elemente und macht mit bescheidenem Produktionsbudget großartige Familienunterhaltung. Fünf seiner wichtigsten Werke garantieren nun in einer DVD-Box abenteuerliche Reisen in die Phantasie. Darunter sind Klassikeradaptionen wie „Baron Münchhausen“ (1961), wenig bekannte Stop-Motion-Puppenfilme wie „Kral Lavra“ (1950) über ein wundersames Geheimnis eines Königs und „Die Erfindung des Verderbens“ (1957), sein wohl bekanntestes Werk frei nach einem Roman von Jules Verne.

 

jög, Rheinischer Merkur 30/2010 vom 29.7.2010

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