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Zwischen uns das Paradies - ab 2.9. im Kinofilmtipp
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Luna arbeitet als Stewardess für eine bosnische Fluggesellschaft, Amar ist Fluglotse im Tower von Sarajevo. Wenn Luna ihren Freund von unterwegs anruft, feiert er meistens gerade und ist hoffnungslos betrunken. Wenn sie zu Hause ist, hat Amar sicher mal wieder vergessen, eine Rechnung zu bezahlen; mit Hausarbeit kann man ihm ohnehin nicht kommen. Objektiv betrachtet, ist Amar nicht unbedingt ein toller Fang, aber Luna liebt ihn trotzdem. Dann wird er mit Hochprozentigem im Pausenkaffee erwischt und suspendiert. Amar soll eine Entziehungskur machen, bevor er in seinen Beruf zurückkehren kann. Davon ist er jedoch weit entfernt. Er weiß nicht weiter und hat Glück, dass er beim Ausparken das Auto eines alten Kriegskameraden rammt. Der hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen: Bahrija ist Wahhabit geworden, ein streng religiöser Moslem, dessen Frau einen Ganzkörperschleier trägt. Er überredet Amar, in einem wahhabitischen Sommerlager Computerkurse zu geben. Luna ist davon wenig angetan und sieht sich nach einer Stippvisite im Lager in ihrem Misstrauen bestätigt. Amar findet hingegen durch den Glauben zum ersten Mal seit langem wieder Halt im Leben; außerdem weiß er plötzlich auf alles eine Antwort und fühlt sich berufen, Freunde und Familie über die richtige Ausübung ihres Glaubens zu belehren.

Jasmila Zbanic erzählt in „Zwischen uns das Paradies“ die Geschichte einer auf die Probe gestellten Liebe. Luna erkennt ihren Freund nicht mehr wieder, obwohl er im Grunde derselbe labile Mensch geblieben ist. Die Erschütterung darüber bleibt jedoch relativ abstrakt, weil nicht recht zu erkennen war, was die beiden über ihre offenbar traumatischen Kriegserfahrungen hinaus vereint – man versteht nicht, was Luna mit dem „alten“ Amar verliert. Im Verlauf des Films beschleicht einen der ketzerische Gedanke, dass Luna dem wahhabitischen Kriegskameraden eigentlich dankbar sein müsste: Schließlich sieht man nun deutlicher, was für ein Dummkopf Amar ist. Die Regisseurin hat das so natürlich nicht gewollt und so auch nicht inszeniert. Sie versucht wie schon in „Esmas Geheimnis – Grbavica“ (fd 37 687) zu zeigen, wie schwierig es in Bosnien ist, wieder zur Normalität zurückzufinden, und auf welch unterschiedlichen Wegen und Umwegen dies geschieht. Trotzdem wäre „Zwischen uns das Paradies“ wohl an der Stelle tot, an der das Publikum Amar den Laufpass gibt, wenn es der Schauspielerin Zrinka Cvitešic nicht gelänge, Lunas Leiden um ihren Geliebten glaubhaft zu machen. Zbanics Liebesmelodram lebt vor allem von der Leistung ihrer Hauptdarstellerin: Auch wenn man nicht versteht, warum Luna Amar liebt, kann man doch sehen, dass sie es tut, und dementsprechend den Schmerz mitfühlen, den die Entfremdung ihr bereitet. Ein weiterer Pluspunkt des Films liegt in der eher zurückhaltenden Darstellung der religiösen „Bedrohung“. Zwar macht es sich Zbanic mit der Frage, warum sich Frauen freiwillig den strikten religiösen Regeln unterwerfen, etwas einfach; das Klischee vom „sicheren Hafen“ ist schnell zur Hand, in den sich schutzlose und mittellose Frauen flüchten. Doch Lunas Ausflug ins Sommerlager der Wahhabiten ist lange nicht so gespenstisch, wie er sein könnte, und auch Amars Wandlung hat weniger mit religiöser Gehirnwäsche zu tun als mit seinem eigenen Bedürfnis nach Unterweisung und Orientierung. Vielleicht liegt es daran, dass sich hier nicht Islam und Christentum gegenüberstehen, sondern säkulare und fundamentalistische Moslems: Den erregten Debatten um Zwangsheirat, Burka-Verbot und islamistischen Terrorismus liefert „Zwischen uns das Paradies“ jedenfalls keinen neuen Zündstoff.

In einer sehr amüsanten Szene flucht eine wahhabitische Ehefrau am Steuer über den Sonntagsfahrer vor ihr im Straßenverkehr. Auch dies ein Fingerzeig, dass unterm religiösen Schleier ein Mensch steckt, mit dem uns vielleicht mehr verbindet als uns trennt.

Michael Kohler
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