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Robuster Glamourporträt
Die Schauspielerin Inga BuschDruckversion
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Dieses Lächeln ist derzeit das schönste im deutschen Film. Ein wenig verhalten, still und bescheiden, aber voll Glück und Güte. Ein aufrichtiges Lächeln, leise und dennoch ansteckend. Und bereit, mit dem Gegenüber geteilt zu werden. Inga Busch neigt den Kopf ein wenig nach vorn, schlägt die Lider in bester Lady-Di-Manier nieder und lächelt, lächelt, lächelt. Dabei wirkt die Schauspielerin auf den ersten Blick eher spröde, ernst und fast ein bisschen verhärmt. Sie ist schlank und hoch gewachsen, ihr Gesicht entspricht nicht dem gängigen Klischee modelnder Hübschheit: eine Idee zu groß die Augen, eine Nuance zu lang die Nase, zu breit der Mund, zu selbstbewusst die Pigmentflecken (oder sind es Sommersprossen?) auf den Wangen. Ihr glattes Haar ist häufig nach hinten zum Zopf gebunden, was ihren Zügen zusätzliche Strenge verleiht. So sehen Vorzimmerdamen in mittleren Jahren aus, die sich besonders seriös und trotz vollendeter Umgangsformen unmissverständlich bestimmt geben. Aber wenn Inga Busch eine solche Figur spielen würde, verliehe sie auch ihr jene Herzlichkeit und Sympathie, die den meisten ihrer Charaktere eigen ist. Denn spielen kann sie alles. So attestierte ihr Regisseur Robert Bramkamp eine „extreme Wandlungsfähigkeit und seltene Mischung aus Glamour und Robustheit“, nachdem sie in seinem Film „Prüfstand 7“ den Raketengeist Bianca gespielt hatte, der 60 Jahre nach dem Start der deutschen Wunderwaffe V2 aus dem kosmischen Exil auf die Erde zurückkehrt. „Ich war die Erste, die ins Weltall flog, und dabei wurde mein Bild lebendig“, sagt sie an einer Stelle. „Ich habe Dinge erlebt, die ich verkünden möchte. (...) Ich lebe zwischen den Bildern, die ihr euch von eurer Welt macht. Ich suche hier, wo ich herkomme.“ In diesem intellektuell mitunter etwas überfrachteten Puzzle aus Spiel- und Dokumentarfilm-Elementen, das vage auf Thomas Pynchons Roman „Die Enden der Parabel“ basiert, erscheint sie den Astronauten, wird literarische Figur, Filmdiva, Raketenfreundin, US-Soldatin im Konzentrationslager, Weltraum-Model und Geschichtsforscherin. Im Buch taucht Bianca nur kurz auf, während sie Bramkamp in den Mittelpunkt eines bizarren Schelmenromans stellt. „Prüfstand 7“ wurde 2001 auf den Hofer Filmtagen uraufgeführt und lief im Jahr darauf in den Kinos. Inga Busch war zu dieser Zeit bereits eine etablierte Schauspielerin, hatte sie doch 1997 für ihre Rolle in „Eine fast perfekte Liebe“ den Adolf-Grimme-Preis erhalten. Unter der Regie von Lutz Konermann spielte sie die Kaufhausdetektivin Mieke, die einen stellungslosen Arzt kennen lernt. Beide verheimlichen einander, dass sie keinen Job haben, und müssen sich nach vielerlei Missverständnissen am Ende für ein Jahr trennen, als Jens ein Angebot nach Sansibar annimmt – ein romantisches Großstadtmärchen, hinreißend und liebenswert, mit einer zauberhaft schrägen Inga Busch. Sie gibt die junge Frau von heute, die sich zwar nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, aber dennoch auf die große Liebe hofft.

„Ich überrasche mich gern selbst“, sagt die in Berlin lebende Schauspielerin. „Es kommt vor, dass ich was ernst spiele, und es ist hinterher komisch.“ Allerdings habe sie immer wieder das Glück, „dass mich Leute gefunden haben, die ungewöhnliche Sachen mit mir machen wollten. Das hat sich so gefügt. Im Übrigen wäre es blasiert zu sagen, ich will nur Arthouse machen und keine Unterhaltung.“ So überzeugt sie in der Rolle der rasenden Reporterin in der Kinderbuch-Verfilmung „Bibi Blocksberg“ (2002) ebenso wie als erfolgreiche Radiomoderatorin, deren einstige Gefährtin in „Fremde Freundin“ (2000) ins Gefängnis geht für einen Mord, den in Wahrheit sie selbst begangen hat. In der Kumpelkomödie „Schrott – Die Atzenposse“ (2000), die ihren Titel übrigens zu Recht trägt, wird sie als Freundin eines von Uwe Ochsenknecht gespielten Altwarenhändlers verramscht, während sie in Horst Szerbas Milieustudie „Die Schamlosen“ (1994) eine Ladendiebin spielt, die von Jürgen Vogel erpresst wird, und in Peter Sehrs Dreiecksgeschichte „Obsession“ (1997) als Sängerin erscheint. Sie ist eine Hausbesetzerin in „Matula und Busch“ (1995), eine Heavy-Metal-Musikerin in „Blutrausch“ (1997) und die drogenabhängige Freundin von Erika Mann in Heinrich Breloers fulminantem „Die Manns – ein Jahrhundertroman“ (2000). Dani Levy besetzte sie in seinem Beziehungsdrama „Stille Nacht“ (1995) als bodenständige Nachbarin der von Maria Schrader gespielten Kunststudentin und in der Komödie „Alles auf Zucker“ als lesbische Freundin der Tochter des Protagonisten.

Levy und Schrader kennt die Schauspielerin aus ihren Anfangsjahren. Gemeinsam mit Sophie Rois bildeten die drei Mitte der 1980er-Jahre eine Wohngemeinschaft. 1968 in Neuss geboren und mit den beiden Geschwistern von der Mutter allein erzogen, kam Inga Busch als 16-Jährige nach Berlin, um Kunst zu studieren. „Aber die haben mich mit meiner Mappe in hohem Bogen rausgeschmissen“, erinnert sie sich. So ließ sie sich von ihren Mitbewohnern zur Schauspielerei überreden – und spielte in Detlev Bucks komödiantischem Nordlichter-Krimi „Karniggels“ (1991) die Rolle eines zickigen Mädchens aus gutem Hause, das dem Jungpolizisten Bernd Michael Lade zunächst den Kopf verdreht und ihn dann jäh fallen lässt, obwohl er ihr gestohlenes Auto ausfindig macht. „Da ich“, so sagt sie heute, „als Schauspielerin ja völlig unausgebildet war, habe ich viele Seminare besucht.“ Sie nahm Unterricht bei Heidi Walier in Berlin, an der Trapp-Schauspielschule in Köln und vor allem bei Oleg Kudriaschow, dem sie bei seinen Gast-Kursen durch ganz Deutschland nachreiste: „Er hat mir alles beigebracht, den Ausdruck, die Sprache, die feinen Nuancen.“

Inzwischen hat Inga Busch nicht nur gut 50 Kino- und Fernsehfilme gedreht, sondern reüssiert auch auf der Bühne. Nach einem kurzen Abstecher nach Düsseldorf gab sie mit Vladimir Matuchins Inszenierung des Tschechow-Stücks „Über die Schädlichkeit des Tabaks“ ein Gastspiel in St. Petersburg. Seit fünf Jahren feiert sie große Erfolge im Berliner Prater in der Volksbühne, wo René Pollesch ihr eine Reihe dankbarer Aufgaben gab. Das gemeinsame Projekt „Stadt als Beute“ wurde 2005 verfilmt: In der zweiten Episode spielt Inga Busch unter der Regie von Miriam Dehne eine Schauspielerin, die zu einer schicken Premierenfeier möchte, aber keine Einladung bekommen hat, zur Diebin wird und später in einem Nachtclub eine andere Form ausprobiert, ihren Körper zu Markte zu tragen. Im Juni 2008 wird sie mit Pollesch bei den Mühlheimer Theatertagen zu sehen sein – mit was genau, ist, wie immer bei Pollesch, noch nicht bekannt. „Ich will Theater und Film gar nicht in Reihenfolge setzen“, erteilt sie einer tradierten Schauspieler-Attitüde eine Absage. „Mir ist Abwechslungsreichtum sehr wichtig, deshalb mache ich auch Lesungen und habe Hörfilme für Blinde gesprochen. Aber die Bühnenarbeit gibt auch einem Schauspieler beim Filmdreh einen ganz anderen Anspruch.“

Für ihre Darstellung der Prostituierten Kim in „Aprilkinder“, die eine zarte Beziehung zu einem in Hamburg lebenden Kurden aufbaut, den seine Eltern längst einer Landsmännin versprochen haben, erhielt Inga Busch 1999 den Publikumspreis des Festivals „Max Ophüls Preis“. Im selben Jahr spielte sie in „Einfach raus“ eine DDR-Bürgerin, die kurz vor dem Mauerfall über Ungarn in den Westen reist, um ohne ihren Lebensgefährten ein neues Leben anzufangen, sowie im „Polizeiruf“-Krimi „Katz und Kater“ ein Mannequin, das in einem Werbefilm für Katzenfutter einen norddeutschen Bauern derart fasziniert, dass er es auf seine Hallig entführt. „Hol’ dir doch eine aus Thailand“, sagt sie – und er erwidert: „Ich will aber dich.“ Nachdem auch westdeutsche Sender „Polizeiruf“-Folgen produzieren, war Inga Busch ganze vier Episoden lang das durchaus erotische „Love Interest“ von Kommissar Jan-Gregor Kremp, der in Bad Homburg auf Verbrecherjagd geht. In den Krimis spielt sie Sophie Stein, Köchin und Betreiberin eines unprätenziösen Nobelrestaurants, die im ersten Film „Der Prinz von Homburg“ (2004) dem missmutigen Ermittler näherkommt. In der zweiten Episode „Die Mutter von Monte Carlo“ (2006) erfährt man, dass auch ihr Vater bei der Polizei war und bei einem Einsatz ums Leben kam. Im vierten und letzten „Bad-Homburg-Polizeiruf“, „Kellers Kind“, erleidet sie eine Fehlgeburt und klärt gemeinsam mit „ihrem“ Kommissar die Entführung eines Jungen auf. Da sie die Pasta-Fee so überzeugend verkörperte, ließen sie besonders einfallsreiche Fernsehredakteure im Fernsehspiel „Die Sterneköchin“ (2007) eine Lottogewinnerin spielen, die die im Abendprogramm üblichen familiären Sorgen übersteht, um am Ende ein Feinschmeckerlokal zu eröffnen.

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag hat Inga Busch, die zwar liiert ist, aber ihre Wohnung im Berliner Stadtteil Moabit nur mit einem „kleinen polnischen Hund zwischen Knast und Kanzleramt“ teilt, den Schritt ins Mütter-Fach vollzogen. Im Fernsehfilm „Die Frau am Ende der Straße“ (2007) spielt sie die neue Nachbarin einer hochgradig neurotischen Bibliothekarin, die ihr ihre neuerliche Schwangerschaft neidet und schließlich das eigene Söhnchen entführen will. Im Kinderfilm „Blöde Mütze“ (Kritik in dieser Ausgabe) ist sie die Mutter der Freundin des Helden. Unter der Regie von Monika Treut spielt sie in „Ai-mei“ eine Künstlerin, die der gewaltsame Tod ihres taiwanesischen Freundes aus dem Gleichgewicht wirft. Eine „mystische Liebesgeschichte“ nennt Inga Busch dieses Werk, dessen Dreharbeiten im Frühjahr 2008 in Hamburg und Taiwan stattfinden. „Das ist ein Low-Budget-Projekt, das ich von Anfang an begleitet habe“, sagt sie. „Deshalb habe ich aus Loyalität die Hauptrolle in einem größeren Film abgesagt.“
Rainer Heinz
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