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Hut ab vorm Kino!veranstaltung
Erlebnisort Kino: Aktionstag Der Kommunalen KinosDruckversion
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Dass sich das Kino als Ort für romantische Rendezvous noch immer eignet, demonstriert der neue Film der Coen-Brüder, „Burn After Reading“: Linda (Frances McDormand) nimmt darin die Männer, die sie bei einer Internet-Partnerbörse aufgabelt, beim ersten Date mit ins öffentliche und doch auch intime Dunkel vor der Leinwand – und kann dort erleben, ob der Partner in spe auch an den richtigen Stellen des Films mit ihr gemeinsam lacht. Um diese Art von Kino-Liebelei geht es allerdings weniger beim 14. Aktionstag der Kommunalen Kinos am 27. Oktober, der dieses Jahr unter dem Motto „Erlebnisort Kino“ steht, sondern primär um die Liebe zu der Institution Kino selbst, zu den „Lichtspielhäusern“ als „Ort der Verbindung individueller Träume und sozialer Begegnungen“. Film ist mehr als eine Ware, und entsprechend sind Kinos zumindest für die Liebhaber des Mediums auch mehr als dunkle Räume, in denen sich die neusten Produkte konsumiert werden lassen: Es sind vielmehr Orte mit Aura, an denen man darauf gefasst sein muss, dass etwas mit einem passiert, dass in der magischen Begegnung mit der Welt hinter der Leinwand eine Verwandlung stattfinden könnte.

Anlässlich des UNESCO-Welttags des audiovisuellen Erbes bieten die Kommunalen Kinos ein facettenreiches Programm, dessen Beiträge der Anziehungskraft des Kinos als Ort huldigen bzw. über diesen reflektieren, die aber auch vor Augen führen, was die Kommunalen Kinos auszeichnet: dass sie, ohne dem Kommerz verpflichtet zu sein, das Medium Film als Kunst und kulturelles Gut würdigen und dem Publikum zugänglich machen. Dazu gehört die Pflege der Geschichte des Mediums – wie sie mit Blick auf das deutsche Kino die Dokumentation „Auge in Auge“ liefert (Kino des Deutschen Filmmuseums Frankfurt a. M.). Oder die „Wiederbelebung“ von Stummfilmen, die sonst ein unverdientes Schattendasein in den Filmarchiven fristen müssten. Der Förderverein für Filmkultur Bonn präsentiert beispielsweise „Sherlock Jr.“ (27.10), in dem Buster Keaton als eine Art filmischer Don Quijote sich aus seinem Leben als Filmvorführer wegträumt, inspiriert durch die Helden, die er über die Leinwand flimmern lässt. Zärtlich kokettiert das Kino hier mit der eigenen Verführungskraft, mit seinem Charakter als Schnittstelle kollektiver Fantasien und individueller Sehnsüchte. Amüsante selbstreferenzielle Blicke bieten die Stummfilm-Einakter, die das Bremer Kino 46 zur Vorführung bringt: „Uncle Josh at the Moving Picture Show“ von Edwin S. Porter (1902) lässt einen Zuschauer mit der Leinwand aneinander geraten und spielt dabei mit der mangelnden „Medienkompetenz“ seines kauzig-kämpferischen Titelhelden. In „Those Awful Hats“ von Kino-Pionier David Wark Griffith (1909; läuft auch im Kino Latücht, Neubrandenburg), dem amüsanten Pendant zu heutigen „Handys ausschalten“-Clips, geraten die Zuschauer dagegen aneinander: Während im Hintergrund ein Film über eine Leinwand flackert, sorgen im Vordergrund die Hüte der Damen, die üppig mit Blumen oder Federn verziert sind, als Sichtbehinderungen für Unmut und verlangen nach drastischen Gegenmaßnahmen, bis am Ende schriftlich die Aufforderung eingeblendet wird, die Ladies mögen doch bitte die Kopfbedeckungen ablegen. Allerdings geht es hier für die Störenfriede noch glimpflich ab, im Vergleich zm Kurzfilm „2 Minute Warning“ (2000), den das KoKi Erfurt im Rahmen eines Programms neuerer Kurzfilme übers Kino zeigt: Hier werden Anleihen beim Splatter gemacht, um im Kinosaal für ungestörtes Sehvergnügen zu sorgen. In der Liebe zum Kino kann man gar nicht zu weit gehen.

Während in den frühen Beispielen von „Kino im Kino“ noch der Geist burlesker Jahrmarktsfröhlichkeit weht, dominiert in späteren Filmen oft die Nostalgie. Allerdings scheint das Gefühl dafür, dass ein Stück Kinokultur verloren zu gehen droht, auch den Blick für dessen Qualitäten zu schärfen und die Liebesbezeugungen der Regisseure umso inniger zu machen: Etwa in Wim Wenders „Im Lauf der Zeit“ (Filmforum Höchst, Frankfurt a. M.) oder in „Splendor“ von Ettore Scola (Kino Latücht, Neubrandenburg). Angesichts der Veränderungen, mit denen sich die Kinolandschaft derzeit konfrontiert sieht, mag umso mehr das bange Gefühl umgehen, dass das Kino als Erlebnis- und Kommunikationsort zunehmend an Boden verliert. Ihm neue Liebhaber zu gewinnen, wird umso mehr zu einer Aufgabe, bei der die Kommunalen Kinos jede Unterstützung verdient haben.

Programm: www.kommunale-kinos.de
Felicitas Kleiner
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