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Digitale Revolutiondvd
Das neue „Wunderobjekt“ Blu-rayDruckversion
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Warum sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist? Gut elf Jahre, nachdem sich die DVD als Konkurrenz zur VHS-Kassette durchgesetzt hat, kann der geneigte Mediennutzer aus einem mehr als ansehnlichen Fundus von mehreren tausend Filmen in allen Güteklassen wählen. Fans des digitalen Sehvergnügens mögen ihrerseits inzwischen stattliche Archive von Filmen und Editionen aus dem In- und Ausland angesammelt und sich damit peu à peu von der immer ignoranter werdenden Ausstrahlungspolitik der Fernsehsender emanzipiert haben. Die DVD-Anbieter unterbieten sich mit ihren Angeboten, sodass die Kosten für einen abendfüllenden Spielfilm einschließlich mehr oder minder üppigem Bonusmaterial bisweilen die Schallmauer einer Eintrittskarte fürs Kino unterschritten haben. Warum sich also zum Sklaven der Industrie machen und zugunsten der Gewinnmaximierung einiger findiger Firmen auf deren neues Wunderobjekt Blu-ray (BD) umsteigen?

Neues Erlebnis

Als seinerzeit die DVD ihren Siegeszug in den Heimkinos der Welt antrat, waren die Vorzüge des Mediums offensichtlich: Gegenüber der abnutzungsanfälligen, linearen und qualitativ der Kinoprojektion absolut unterlegenen Videokassette war das digitale, akustisch und visuell überwältigende Erlebnis der DVD zwingend. Zudem werteten die zum Teil interaktiv zuschaltbaren Bonusmaterialien und die Vielsprachigkeit das reine Filmschauen in einer Weise auf, die man außerhalb von Filmfestivals vergeblich suchte. Die Neuerfindung des Mediums wird mit der Blu-ray – trotz anders lautender Werbeversprechungen – nun nicht geboten. Und dennoch: Wenn die Randbedingungen stimmen, erlebt man Kinofilme dank Blu-ray künftig so, wie man es sich bislang nicht vorstellen konnte.

Dabei war das neue Format bis zum Jahr 2007 noch mehr als umstritten. Ähnlich wie zu Beginn der Einführung des Videoformats VHS, das sich gegenüber Beta und Video 2000 durchsetzte, hatte die Blu-ray-Fraktion Grabenkämpfe mit der Lobby der HD-DVD auszufechten. Auch hier sind es eher geschickte Marketing-Strategien und weniger technische Vorteile, die den Sieg der Blu-ray-Disk im Frühjahr 2008 besiegelten. Nicht zuletzt wegen des Umschwenkens diverser Verleih-Majors, u.a. aber auch weiter Teile der Pornofilm-Industrie, ging die mittels des kurzwelligen Blaulasers abtastbare Scheibe als Gewinner hervor. Weihnachten 2008 ist das erste große Bewährungsdatum der Blu-ray, was nicht zuletzt an der Zahl der Neuerscheinungen und am Preissturz der Endgeräte ersichtlich ist. Kosteten gute Blu-ray-Player vor Jahresfrist noch mehr als 500 Euro, gibt es vergleichbare Geräte inzwischen schon für die Hälfte. Gab es zu Beginn des Blu-ray-Zeitalters 2006 gerade mal 32 Veröffentlichungen und steigerte sich dies 2007 auf bescheidende 240 Titel, rechnet man 2008 immerhin mit etwa 450 Filmen. Zum Vergleich: Die DVD-Neuveröffentlichungen liegen in Deutschland noch bei weit über 100 Titeln – monatlich.

Wer sich international am Markt orientiert, sollte beachten, dass sich die sogenannten Regional-Codes der BDs von denen der DVDs unterscheiden. Es gibt nur noch drei verschiedene Regionen (bei den DVDs sind es acht). Wobei RC 1 (A) mit Amerika, Japan, Südostasien, Nord- und Südkorea, Hongkong und Taiwan sowie RC 3 (C) mit den „Schurkenstaaten“ aus Zentral- und Südasien, China, Russland und Indien, auf hiesigen Geräten nicht funktionieren. Hierzulande erhältlich ist RC 2 (B), der auch für Rest-Europa, Australien, Neuseeland, den Nahen Osten und Afrika üblich ist. Die Preise der Blu-Ray-Editionen sind derzeit noch der größte Stein des Anstoßes: Gut das Doppelte gegenüber einer DVD muss man augenblicklich für Neuerscheinungen im Blockbuster-Segment hinlegen. Bei älteren Filmen oder Filmklassikern ist der Preisunterschied noch eklatanter. Zahlte man für den Director’s Cut von Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ als DVD kaum noch zehn Euro oder für Richard Donners „Das Omen“ gerade mal sieben Euro, kosten die Blu-rays dieser Filme stolze 30 Euro.

Was bieten die neuen Scheiben, das einen derartigen Preisaufschlag rechtfertigen würde? Was im wahren Sinne des Wortes ins Auge springt, ist die signifikant gestiegene Bildqualität. In der Theorie heißt das abstrakt eine Steigerung von 720*480 Pixel (DVD) auf 1920*1080 Pixel (Blu-ray), sprich bei gleicher Bildgröße eine mehr als doppelt so hohe Auflösung. In der Praxis bedeutet es: gestochen scharfe Schrift (selbst in den mitunter äußerst winzigen, sonst kaum lesbaren Abspanntiteln) sowie eine mitunter fast schon dreidimensional wirkende Tiefenschärfe und Farbenpracht. Auch Filme aus dem guten alten Zelluloid-Zeitalter bieten – weiterhin natürlich abhängig vom Master-Band – einen beachtlichen Qualitätsgewinn. Die im Vergleich zur DVD um ein Vielfaches höhere Speicherkapazität des Blu-ray-Mediums ermöglicht einen weniger komprimierten Transfer eines Films und vermeidet die damit einhergehenden Artefakte. Auch der Ton ist bei den „blauen“ Disks nicht zuletzt aufgrund des größeren Speicherplatzes verbessert. Neue Tonformate wie Dolby TrueHD, PCM oder DTS-HD bezeichnen weitgehend unkomprimierte, respektive verlustfrei komprimierte Audioformate, die auf bis zu acht diskreten (sprich voneinander trennbaren) Kanälen hochwertige Tonsignale senden.

Neben dem klanglichen und bildtechnischen Qualitätszuwachs ist auch die Interaktivität des neuen Mediums ein Pluspunkt. Das beginnt schon beim Aufrufen des Menüs, das nun (auch während der Film läuft) problemlos Änderungen an Ton- und Bildformaten zulässt. Zudem lässt sich das Bonusmaterial mitunter sinnvoller einsetzen; so können Audiokommentare auch durch Bildmaterial (Bild im Bild) unterstützt werden. In Zukunft wird die Vernetzung der Blu-ray-Player mit dem Internet die Erweiterung der so genannten BD-Live oder Bonus-View-Features ermöglichen. Auf den Festplatten der Geräte werden dann zusätzliche Daten zu den Filmen zwischengelagert oder gespeichert. Bislang beziehen sich solche „Gimmicks“ auf zusätzliche Dokumentationen oder Spiele. Über kurz oder lang bedeutet das aber, dass ein Film theoretisch völlig dekonstruiert werden, also ergänzt oder verändert werden kann – ein Feature, das in der Filmkritik sicher noch eine Rolle spielen wird, wenn Skeptiker wieder das Ende des autoriellen Kunstwerks nahen sehen.

Wie bei jeder neuen Technik gibt es allerdings auch bei Blu-ray wichtige Dinge zu beachten, die einem ungetrübten Genuss eines Films im Wege stehen können. Da ist zunächst das Blu-ray-taugliche Abspielgerät – das im übrigen auch alle gekauften CDs und DVDs weiter abspielen kann; eine grundsätzliche Erneuerung der DVD-Sammlung ist also nicht notwendig. Im Gegenteil: Durch das so genannte Upscaling herkömmlicher DVDs auf HD-Standard ist zumeist auch eine qualitative Verbesserung des „normalen“ DVD-Bildes zu erwarten. Um Blu-ray-Filme in voller Qualität zu erleben, bedarf es allerdings auch eines Full-HD-Fernsehers. Zwar sind auch normale Geräte, insbesondere so genannten HD-Ready-Geräte, in der Lage, Bild und Ton von Blu-rays zu empfangen, allerdings nur in reduzierter Qualität. Um die neuen Tonformate zu hören, braucht man entweder einen Blu-ray-Player oder einen Receiver, der diese verarbeiten kann. Damit schließlich alles auch wirklich funktioniert, ist die Anschaffung diverser HDMI-Kabel im neuesten Standard (1.3) unerlässlich. Was für Neueinsteiger im ersten Augenblick unübersichtlich und horrend erscheinen mag, wird kurzfristig vom Handel gerichtet werden, denn neuere Endgeräte-Generationen werden „gnadenlos“ auf Kompatibilität getrimmt.

Auch die Verleiher verstehen es, ihr augenblickliches Lieblingskind zu promoten, wie man bei der aktuellen Marketing-Strategie von Paramount und ihres Blockbusters „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ erkennen kann: Auf DVD erschien er bislang nur als Standard-DVD, im Rahmen einer teuren Sammlerausgabe (mit Kristallschädel) und einer Zwei-DVD-Special-Edition, die allerdings käuflich kaum zu erwerben ist. Dagegen werden die Geschäfte mit der Blu-ray-Version überschwemmt, die inhaltlich mit der Special Edition identisch ist, zu einem verführerischen Preis: in Sonderaktionen mitunter für 15 Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Jörg Gerle
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