film-dienst Funkkorrespondenz cinOmat KiM-Shop InfoBörse Gratisheft Schnupperabo Jahresabo
film-dienst
Anzeige Hitflip - testen und kostenlose DVD bekommen
Sie sind nicht angemeldet - Anmelden
Cover film-dienst
fd 3/2010
Wählen und Gewinnen - FD-Cover 09
Aktuelle Schweizer Premieren
Caligari-Filmpreis 2010
DVD-Edition BERLINALE GENERATION
DVD-Tipp Januar 2010
Edition Filmmusik
#1 - #8
FD & Deutsche Welle
FILM DIENST Top Ten 2009
John Wayne's West in Music
Junges deutsches Kino in Köln
Kinotipp
Magische Momente 2009
Neu auf DVD
Neue DVDs: Edition Filmmuseum
„Silberlinge“ 2009
Fernsehtipp
des Tages
Gewinnspiel
Archiv / Suchen
Abonnement
Gratis Probeheft
Newsletter:
Info
Home
Neue Formen veranstaltung
Cinefest Hamburg: Filme der Übergangszeit 1940-1950Druckversion
[ zurück ]
Zeiten des Übergangs sind stets eine Chance, etwas zu verändern, ohne gleich als „Normbrecher“ und Fantast zu gelten. Die wohl fruchtbarste Übergangsperiode im europäischen Kino war die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Das verdeutlichen CineGraph und das Bundesarchiv-Filmarchiv, wenn sie ihr aktuelles „Cinefest“, das internationale Festival des deutschen Filmerbes, der Zeit zwischen 1940 und 1950 widmen. Im Prinzip wurde damals der Grundstein gelegt für das, was heute als „Dokudrama“ ein beliebtes Genre ist; vor allem aber wurden neue stilistische Mittel gefunden und ausprobiert, um die triste deutsche Trümmerrealität auf den Straßen so zu verpacken, dass sie nicht die Depression der Zuschauer verstärkte, sondern zu einer neuen, spannenden Angelegenheit wurde.

Surrealistische Traumsequenzen wie sie Wolfgang Liebeneiner in seinem Heimkehrerdrama „Liebe 47“ (1949) nach Wolfgang Borcherts Roman „Draußen von der Tür“ einsetzte und damit die Zuschauer verwirrte, tauchen heute selbst in Teenager-Komödien wie der „Wilden-Kerle“-Serie auf und werden problemlos verstanden. Dazu kommen bei Liebeneiner Albträume von den Toten des Krieges als besondere Form der Erinnerung und der Möglichkeit, mit Rückblenden umzugehen. Fiel die Episodenstruktur in Helmut Käutners „In jenen Tagen“ (1947) noch aus dem Rahmen, wirkt sie in heutigen Beziehungskomödien wie „Männerherzen“ ganz natürlich, wenn es darum geht, die Facetten menschlichen Verhaltens nebeneinander zu stellen. Doch Käutner war mutiger als viele Regisseure der Gegenwart, wenn er ein altes Auto nahm, um sieben Lebensgeschichten ins Rollen zu bringen, die alltägliche Sorgen der Menschen wie die Macht der Nazis zu zeigen.

Geschichten und Diskussionen über das Filmemachen in schwierigen Zeiten, wie sie Rudolf Jugert in „Film ohne Titel“ (1948) mit viel Ironie und einer Mischung aus normalen und Film-in-Film-Szenen thematisierte, prägten in den 1980er-Jahren deutsche Nachwuchsfilmer an den Filmhochschulen bei Kurzfilmen über das Metier und die Liebe. Doch bei Käutner sind auch die witzigen Dialoge wichtig, die ein ernstes Thema beleuchten; schon damals standen die am Film Beteiligten für eine Generation, die noch nicht weiß, was sie vom Leben will.

Diese drei Trümmerfilme sind die populärsten Beispiele, die das „Cinefest“ im Metropolis-Kino und beim angeschlossenen Kongress bietet. Sie stehen für das Bestreben, sich von den künstlerischen Formen der Ufa-Vorkriegs- und Kriegsfilme abzuwenden. Daneben gab es Regisseure wie Georg C. Klaren, der sich bei „Georg Büchners Wozzeck“ (1947, entstanden in der sozialistischen Besatzungszone) auf die große Zeit des deutschen Kinos, den Expressionismus, die Stummfilmzeit zurück besinnt. Seine Szenenbilder erinnern stark an Robert Wienes „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) – eine Art des variierenden Zitierens aus früheren Genres und Formen, wie sie heutzutage Quentin Tarantino zur Methode erkoren hat. Ähnliches versuchte der Schauspieler Curd Jürgens in seinem Regiedebüt „Prämien auf den Tod“ (Österreich 1949), wenn er eine Art Dr. Caligari in einem Versicherungsschwindlerfilm auftauchen lässt – und dazu einen Geist erfindet, der stark an die Golem-Figur aus dem gleichnamigen Stummfilm (1920) erinnert.

Ein vergessenes Musterbeispiel für die gelungene Kombination von Found Footage mit einer neu gedrehten Geschichte lieferte Stuart Cooper in „Overlord“, 1975 mit einem „Silbernen Bären“ der „Berlinale“ ausgezeichnet. Cooper verwendete dokumentarisches Material aus dem Imperial War Museum über die Vorbereitungen auf die Invasion in der Normandie als Grundlage für einen Spielfilm um einen jungen Soldaten, der wider Willen eingezogen wird, den militärischen Drill lernt und nun auf die Invasion wartet. Neu war die Art, wie Cooper und Kameramann John Alcott drehten: Die neuen Szenen, in zehn Tagen entstanden, waren wie die historischen Aufnahmen schwarz-weiß und hatten ähnliche Motive. Der Materialunterschied war kaum zu sehen, alles wirkte wie aus einem Guss.

Eigentlich passt „Overlord“ gar nicht zu den Filmen des „Cinefest“, auch wenn er Material aus dem Jahr 1944 verwendet; der Film entstand erst in den 1970er-Jahren als Beitrag zum Jubiläum „30 Jahre Kriegsende“. Viele Kinozuschauer hatten schon weit früher mit Krieg und Nazi-Zeit abgeschlossen, wobei die große Zäsur des Neubeginns für die meisten gar nicht das Kriegsende war, sondern ein ganz anderes Ereignis, wie „Cinefest“-Kurator Johannes Roschlau feststellte: die Währungsreform 1948, die in den Filmen damals aber nicht vorkam.

Hinweise

„Cinefest“, Festival des deutschen Film-Erbes (14.-22.11.): „Im Schatten des Krieges. Innovation und Tradition im europäischen Kino 1940–1950“, Ort: Kommunales Kino Metropolis, Hamburg

Das 6. „Cinefest“, veranstaltet von CineGraph und dem Bundesarchiv-Filmarchiv, beleuchtet Epoche und Einzelthemen in den Vorträgen des eingebetteten internationalen filmhistorischen Kongresses. Zu sehen sind mehr als 50 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme in Originalfassung, die von zwölf Vorträgen sowie Filmeinführungen strukturiert werden.

Der FILM-DIENST ist Medienpartner von „Cinefest“ und Mitveranstalter des Forums „Aus der Tradition lernen. Filmmacher und Film-Erbe – ein kreatives Verhältnis?“ (Mittwoch, 18.11., 14-16 Uhr im Kino Metropolis). Es diskutieren der Filmemacher Robert Bramkamp, der Szenenbildner und Filmarchitekt Christian Bussmann sowie die Journalisten Birgit Glombitza und Ulrich Kriest.

Im Internet: www.cinefest.de
Andrea Dittgen
[ zurück ][ Top ]
Kritiken
Armored
Behauptung des Raums – Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR
Buddha's Lost Children
Die Fliegerkosmonauten
Die zwei Leben des Daniel Shore
Gegen jeden Zweifel
Giulias Verschwinden
Ich liebe euch – Sizi Seviyorum
Kutsal Damacana 2
Max Manus
She, A Chinese
Sherlock Holmes
The Marsdreamers
Up in The Air
Verdammnis
Welcome
weitere Kritiken...
Rheinischer Merkur
 In dieser Woche:
Nachrichtenagenturen: Der Wind ist eisig geworden. Wie dpa und ddp gegeneinander kämpfen.
Nürnberg: Muss die Stadt das Nazi-Erbe um jeden Preis erhalten?
iPad: Apple der Erkenntnis: Wie die Welt wird, liegt in Ihrer iGenverantwortung
Twitter
Neues aus der FILM DIENST-Redaktion.
merkur.tv
 Aktuelle Produktionen:
RM-Video-Kolumne Kulturdusche: Der ganz normale Handy-Wahnsinn
Robert Schumanns verlorene Träume
Zweitausendeins Verlag
Katholische Filmarbeit
Weitere Links
Anschriften aus
Film und Fernsehen
Kontakt
Sitemap
Impressum
Mediadaten
Datenschutz
Suchen nach:
 
In Partnerschaft mit Amazon.de

In Partnerschaft mit JPC

www.borromedien.de